PATHS OF PREJUDICE AND JUSTICE

/ Mittwoch, 13. März 2013 /
"Ich bin gerade auf ASF-Seminar" hört ihr gerade die ganze Zeit von mir, wa? Ok zugegeben, das war jetzt eine fünfklässler-Einleitung zu einem Artikel für die Schülerzeitung, aber es ist doch so! Ich führe mal diese ekelhafte Klischeeeinleitung fort: Aber was mach ich da eigentlich? (hahahaha :D).
Ich war letzte Woche mit allen ASFlern aus den Niederlanden in den Seminarräumen des Anne Frank Hauses. Unser Seminar trägt den Titel "Paths of Prejudice and Justice - Wege von Vorurteilen und Gerechtigkeit". Der Großteil des Seminars dreht sich um den Konflikt im Balkan in den 90ern und um den Begriff der Gerechtigkeit. Ich finde es wirklich wirklich wirklich gut nach dem zweiten Tag. Ich habe zum ersten Mal das Gefühl, dass ich auch etwas für mich selbst mitnehmen kann und das tut gut. Einmal nicht genervt und unterfordert zu sein, andererseits auch beschämend wie wenig ich eigentlich über den Jugoslawienkonflikt bisher wusste.

Tag Eins

Aber fangen wir am Anfang an. Da wir ja im AnneFrank Haus unseren Seminarraum haben und auch das Programm von der Internationalen Abteilung des Anne Frank Hauses organisiert wird, drehte sich der erste Seminartag natürlich um Anne Frank.  Als Methode wurde jedem von uns ein Koffer gegeben, der Materialen zu einer bestimmten Person in Annes Umgebung beinhaltet hat. Wir sollten die Rolle dieser Peron erläutern und haben in diesem Zusammenhang eine Art Führung durchs Museum bekommen. Ich hatte Miep Gies, falls es wen interessiert. Aber ja, mich interessiert das auch weniger. Ich mag diesen ganzen Hype um Anne Frank an sich eher weniger. Ich finde zwar, dass die Geschichte Annes zwar zur Allgemeinbildung gehört, jedoch interessiert es mich weniger ob das Bild von Margot Frank in ihrem Badeanzug auf der Terrasse oder auf einer Wiese aufgenommen wurde. Das sagt mir jetzt nicht mehr über Diskriminierung, Vorurteile oder Gerechtigkeit. Aber dennoch danke für die Info.
Dnach. Oh ja danach hab  ich mich voll verliebt <3 Rob Fransman, ein Zeitzeuge hat uns die Ehre gegeben ihm zuhören zu dürfen. Im Ernst ich musste erst einemal ungefähr 2 Stunden lang schwärmen! Ich habe es geliebt ihm zuzuhören und auch die Art wie er Fragen beantwortet hat, so direkt humorvoll und ein bisschen frei Schnauze. Super Typ. Zu Fransmann: Er ist Jude, wurde während dem Krieg als kleines Kind an 12 (!) verschiedenen Orten versteckt. Nach dem Krieg erfuhr er, dass seine eltern in Sobibor umkamen, seine Tante und sein Onkel haben ihn in eine Kinderbetreuungsorganisation weitergegeben und so hat er sich eben durchgebissen. Als Demjanjuk dann vor 2 (? keine Lust zu googeln) angeklagt wurde für seine Taten in Sobibor (er war einer der Ukrainischen Helfer der Nazis, ich wiederhole mich: googelt selber :D), wurde Rob zum Nebenkläger. Danach hat er auch ein Buch über den Prozess veröffentlicht.
Ich kann euch wirklich nicht sagen was es war, aber da war etwas, was er ausgestrahlt hat, was ich wirklich fesselnd fand. Ich hab zwar schon viele Zeitzeugengespräche gehabt, aber es wird sich wohl keins so einprägen wie seins. Selbst, wenn er kaum Erinnerungen an seine Zeit während dem Krieg hat.

Für Interessierte: Ein Video, wie Rob zum ersten Mal mit seiner Enkelin Sobibor besucht:



 Tag Zwei

Seit ich Heinrich von Kleist lesen musste, möchte ich eigentlich nicht mehr über die Definition von Gerechtigkeit nachdenken, aber exakt das musste ich an diesem Morgen tun. Hach, interessant  zu wissen, dass ich noch ein Hirn habe. Bei der ganzen UNITED-Computerarbeit habe ich gedacht, dass wirklich letztendlich alles zu Matsch geworden ist- thaha ist dem aber nicht so! Ich glaube ich war seit der ersten Klasse nicht mehr so motiviert, wie heute!
Danach haben wir mit dem eigentlich interessanten Thema angefangen: Dem Jugoslawienkonflikt. Oh mein Gott. Ich schäme micht für alles, wovon ich bisher nicht mal ein Viertel so viel gewusst habe und bin mir sicher, dass ich dafür ne Schelle verdiene! Wir haben von der Entwicklung vom ehemaligen Jugoslawien geredet, über geografische Aspekte, über die verschiedenen Ethnien/ Religionen, den Konfliktablauf, die Rolle der UN-Einsatztruppen, das "Ende" des Konfliktes, die fehlenden Reformen danach, die allgemeine Nachkriegssituation im Balkan, über Identitätsprobleme und aufkommenden Nationalismus in der Region.
Danach ging es daran sich schonmal auf Tag drei des Seminars vorzubereiten. Durch Gruppenarbeiten wurden die drei Männer vorgestellt, die ganz Oben auf der Fahndungsliste für Kriegsverbrechen während der Balkankriege waren. Radovan Karadžić, den wir am Tag danach sehen sollten, Slobodan Milošević und Ratko Mladic. Wir haben danach allgemeine Informationen zum ICTY (International Criminal Tribunal for former Yugoslawia/ UN-Kriegsverbrechertribunal).

Hier noch ein paar Bilder von Tag 2:





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